MOTRA: Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung - Phase I und Phase II
Radikalisierung und Extremismus stellen Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen. Neben repressiven Maßnahmen liegt ein besonderes Augenmerk auf der Prävention und Bekämpfung von Extremismus und Radikalisierung, noch bevor diese in Gewalt umschlagen. Dazu wurde durch das Projekt MOTRA in einer ersten Förderphase eine zentrale Monitoringplattform zur Früherkennung, Prävention und Bekämpfung von Extremismus aufgebaut, die zugleich als Anlaufstelle für die Wissenschaft, die behördliche Praxis sowie die Zivilgesellschaft agiert. In einer zweiten Förderphase wird die Monitoring- und Transferplattfrom nun weiterentwickelt, um der zunehmenden Dynamik und Komplexität des Radikalisierungsgeschehens Rechnung zu tragen. Das generierte Wissen zu Hintergründen, Ursachen und Folgen der Radikalisierung leistet als wissenschaftlich fundierte Grundlage einen Beitrag zu zielgerichteten Präventions- und Interventionsmaßnahmen.

Extremistische Einstellungen nehmen insbesondere bei jüngeren Menschen zu – das ist kein Bauchgefühl, sondern ein Befund des Forschungsberichts „MOTRA Monitor 2023/2024“. Der Bericht wurde am 5. und 6. März 2025 auf der MOTRA-Konferenz vom Forschungsverbund „ Monitoring und Transfer Radikalisierung MOTRA“ vorgestellt. Der MOTRA-Monitor ist ein umfassender Bericht zum aktuellen Radikalisierungsgeschehen, zu aktuellen For-schungsaktivitäten sowie zur Extremismuspräven-tion und -repression in Deutschland.
Rückblick auf die MOTRA-K 2025
Auf der sechsten MOTRA-K tauschten sich rund 250 Expertinnen und Experten in der Hochschule Fresenius in Wiesbaden zu den Themenfeldern Extremismus und Radikalisierung aus. In mehr als 100 Programmpunkten wurden die neuesten Erkenntnisse über eine zunehmende gesellschaftliche Radikalisierung und extremismusaffine politische Einstellungen in Deutschland diskutiert. Im Fokus standen unterschiedliche Themenfelder, wie beispielsweise „Wahrnehmung und Realität von Antisemitismus in Deutschland“, „KI – digitale Mei-nungsbildung und ihre Manipulation“ und „Bedeutung und Funktionen von Gender-(Konstruktionen) im Kontext von Extremismus und Terrorismus“.
Unter den Teilnehmenden der Konferenz waren wichtige politische Persönlichkeiten wie Petra Pau, Vizepräsidentin des Bundestages sowie Hessens Innenminister Roman Poseck, die ihre Perspektiven in die Diskussionen einbrachten. Zum Auftakt der Veranstaltung pointierte der Verbundkoordinator von MOTRA, Dr. Uwe Kemmesies: „Der Kampf gegen Extremismus erfordert die Bündelung aller gesellschaftlichen Kräfte. Ein intensiver Austausch auf Augenhöhe zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik ist zentral.“

Auch Sabine ten Hagen-Knauer, Leiterin des Referats zivile Sicherheitsforschung im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) betonte, dass „eine wirksame Extremismusprävention nur behördenübergreifend, vernetzt und gemeinsam gelingt.“ MOTRA zeige erfolgreich, wie das funktioniert. Besonders hervorzuheben sei dabei, dass der Verbund von gleich drei Bundesministerien gefördert wird: Neben dem BMBF auch vom Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) sowie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Der MOTRA-Monitor 2023/2024
Weiter erklärte Frau ten Hagen-Knauer, MOTRA sei ein Leuchtturm der empirischen Extremismusforschung, der gefährliche Strömungen im Dunkelfeld sichtbar macht. Denn wirksame Extremismusprävention beginnt mit Wissen. Nur mit wissenschaftlicher Evidenz und fundierten Fakten können Angst und Desinformationen entkräftet werden, um unsere Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren.
Die auf der Konferenz diskutierten Themen werden von den aktuellen Befunden des Forschungsberichts „MOTRA-Monitor 2023 / 2024“ gestützt, welcher auf der MOTRA-K vorgestellt wurde. Der Bericht verdeutlicht, dass Verunsicherungen, Ängste und Sorgen in der Bevölkerung wachsen. Dadurch kann sich die Tendenz eines zunehmend angespannten, erkennbar extremismusaffinen Radikalisierungsgeschehens weiter verstärken – ins-besondere vor dem Hintergrund eines anhaltenden „Polykrisen-Modus“, der von Wirtschaftskrisen, Kontroversen um das Thema Migration sowie kriegerischen Konflikten geprägt ist.

Besorgniserregend ist die Zunahme extremismusaffiner Einstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Auffällig ist, dass insbesondere in der Gruppe der jungen Erwachsenen die Demokratiedistanz steigt und extremismusaffine sowie extremistische Einstellungen zunehmen – sowohl die politischen als auch religiösen Ansichten betreffend. Deutschland muss also verstärkt in die Prävention bei jungen Menschen investieren. Der Bericht zeigt zudem eine Zunahme von ideologisch-propagandistisch gefärbten „Fear-Speech“-Inhalten und direkten Gewaltaufrufen in sozialen Medien, die auf Verunsicherung und Manipulation der Bevölkerung abzielen.
Der MOTRA-Monitor legt dabei konkrete Zahlen vor. Aus einer im Projekt durchgeführten, repräsentativen Bevölkerungsbefragung geht hervor, dass lediglich 46% der Befragten staatlichen und politischen Institutionen „überwiegend trauen“. Zugleich hat die soziale Verunsicherung der Bevölkerung einen Höchststand erreicht. Stark verunsichert sind aktuell 55% der Bevölkerung, 2021 waren es noch 39%. Neben einer außergewöhnlich intensiven Protestmobilisierung war das Jahr 2024 ebenfalls von einer steigenden Anzahl antisemitischer Übergriffe sowie von zunehmendem Hass und Hetze gegenüber Amts- und Mandatsträgerinnen und -trägern geprägt.
Weitere Informationen zum Verbundprojekt MOTRA Phase II
Förderkennzeichen 13N17260 bis 13N17268
Projektlaufzeit 2/2025 – 3/2028
Weitere Informationen zum Verbundprojekt MOTRA Phase I
Förderkennzeichen 13N15217 bis 13N15223
Projektlaufzeit 12/2019 – 11/2024